Ein visueller Blick auf den M 57, M 13 und M 92

Abgebaut sind die Kameras, das Guidingfernrohr und schön verstaut in ihren Kisten. Der Sommer lädt ja sowieso mit seinen kurzen Nächten nicht zum fotografieren ein und außerdem hatte ich ja sowieso schon des öfteren erwähnt, das DeepSky-Aufnahmen bei mir erst einmal weit nach hinten geschoben werden.
Trotz des scheinbar verregneten Sommers war letzte Woche, des Nachts klarer Himmel angesagt. Dazu freie Tage von der Arbeit und das verspricht doch, endlich mal visuell auf der Suche nach interessanten Objekten zu gehen.
Mein lieber Kollege Christian glaubt doch tatsächlich, ohne Computer und ToGo ist der alte Kerl ziemlich hilflos und stochert sowieso nur am Nachthimmel rum. Zeit also, festzustellen, ob er recht hat. Ich, meine kleine Gartensternwarte, mein Teleskop und kein nervender Störenfried weit und breit.
Ich muss zugeben, dass visuell bisher nicht so mein Ding war. Die vielen Jahre in der Foschung haben eben meinen technischen Fäbel geprägt.
Wie sich also am Himmel zurecht finden? Ohne Sucher geht da gar nichts, das war mir schon irgendwie klar, wollte ich doch unbedingt jegliche Unterst√ľtzung durch Software und Computer vermeiden. Blo√ü, die Frage war, wo ist das Teil geblieben? Die zehnte Schublade brachte den Erfolg, da ist er ja. Schnell befestigt am Teleskop – und dann? Stimmt irgendwie m√ľssen Teleskop und Sucher ja aufeinander abgestimmt werden. Am besten mit Hilfe eines hellen Sternes. Vega – das passt, den Stern finde selbst ich ohne Probleme und sch√∂n hoch steht sie ja auch noch. Selbst hier im Ruhrgebiet kann man Sternbild „Leier“ gut erkennen. Flugs im Sucher sch√∂n mittig im Fadenkreuz eingestellt und duchs Teleskop geschaut. Von wegen, nichts mit Vega. Dann eben umgekehrt, Vega im Teleskop mit einiger M√ľhe und gro√üem √úbersichtsokular postiert und den Sucher mit seinen Schrauben so eingestellt, das es passte. Geht doch.
Und nun? Was schaue ich mir den an? Der Ringnebel M 57 liegt doch direkt im Sternbild der Leier. Also langsam mit dem großen Okular vorgetastet. Da ist er, selbst bei dieser schwachen Vergrößerung ist er, wenn auch schwach und blaß zu erkennen. Wollen wir soch mal sehen, wie es bei einer 200fachen Vergrößerung aussieht. Schön mittig und dann das Okular flugs gewechselt. Oh ja, wie ein kleiner rauchiger Ring. Das hat was.
N√§chstes Objekt. Was nehme ich nur? Der Herkuleshaufen (M 13), gilt er doch als einer sch√∂nsten Haufen im Sommer. Das wird schon etwas schwieriger, es fehlen die Bezugspunkte. Nach einigen Starhoppingversuchen, war ich doch der Meinung zumindest in der N√§he des Objekts zu sein. Aber ein erkennen im Okular – Fehlanzeige. Langsam kreisf√∂rmige Bewegungen mit dem Teleskop und pl√∂tzlich, ja das ist er. Wieder 200fache Vergr√∂√üerung und der schwierige Versuch des Scharfstellens. Erst einmal entt√§uschend. Eigentlich m√ľsste dieser Sternhaufen doch viel mehr als der Ringenebel im Okular wirken. Geduld mein Lieber. Reine Konzentrationssache, die Augen brauchen nun mal eine Weile und dann pl√∂tzlich zerf√§llt er in viele Einzelsterne. Wirklich sehenswert.
Eine Stunde noch bis zur Morgendämmerung. Ein Objekt nehme ich noch. Messier 92, ebenfalls ein Sternhaufen. Genau wie bei M 13 brauchte ich eine Weile, bis er im Okular auftauchte. Das ist wirklich nicht einfach. Ganz anders als der Herkuleshaufen präsentiert er sich. Viel kompakter.
Es wird langsam hell, deutlich beginnt die D√§mmerung. Wie schnell doch die Zeit vergeht, nicht wie beim fotografieren, wo man auf das Klicken er Kamera lauscht und immer mal wieder auf dem Bildschirm das Guiding kontrolliert (oder wer so faul ist wie ich, das per Software gem√ľtlich vom Wohnzimmer aus macht).
Das Dach der Warte wird zur√ľckgeschoben und noch mal einen Blick zu Himmel, wo die Sterne verblassen. Das zwitschern der V√∂gel sehe ich mal als Lob an. Sch√∂n war’s, anders – aber sch√∂n.