Der Cocoon-Nebel, das Dithern und die Sache mit den Rauschen und den Darks

Die gute alte DSLR ist bei mir immer noch die erste Wahl, wenn es um Aufnahmen geht. Unkompliziert¬†und einfach. Der Nachteil ist allerdings das Rauschen und nat√ľrlich keine M√∂glichkeit zu k√ľhlen, wie es bei modernen Astro-CCD-Kameras der Fall ist. F√ľr Anf√§nger in der Astrofotografie aber¬†immer noch die beste Empfehlung f√ľr den Einstieg. Bei mir ist es eine umgebaute Canon 40d(a), bei der der Infrarotsperrfilter entfernt worden ist.
Durch die mangelnde K√ľhlm√∂glichkeit des Aufnahmechips ist das gr√∂√üte Problem nat√ľrlich das Rauschen der Kamera bei l√§nger belichteten Aufnahmen. Um dieses sp√§ter beim fertigen Bild herauszubekommen benutzt man einige Tricks, zum Bespiel erstellen von Darks (Aufnahmen mit gleicher Belichtungszeit wie die Aufnahme bei verschlossenen Objektiv bzw. Teleskop) und eine Erh√∂hung der Anzahl an aufgenommenen Aufnahmen um sp√§ter beim Stacken das Rauschen herauszurechnen.

Das war bei mir bisher auch immer so und ich war doch eigentlich ganz zufrieden, eben entsprechend meiner F√§higkeiten. Mir sind allerdings in der letzten Zeit kleinere Zweifel gekommen, da ich inzwischen verstanden habe das das Rauschen in der Kamera¬†(nat√ľrlich) Temperaturabh√§ngig ist. Das Problem ist jetzt, das sich¬†die Temperatur w√§hrend der Aufnahme √ľber den Zeitraum gesehen erheblich √§ndert. Zwei, drei Stunden Aufnahme in der Nacht ergeben schon mal Temperaturunterschiede von 5 bis 10 ¬įC. Nun ist es so, dass im allgemeinen bei einen Temperaturunterschied von 7 ¬į sich das Rauschen¬†verdoppelt und Darks in der Regel am Ende einer Aufnahmeserie gemacht werden. Dadurch kam die √úberlegung das selbst gemittelte Darks ja so gar nicht sowirklich zu den¬†eigentlichen¬†Aufnahmen passen, die ja unter Umst√§nden Stunden vorher gemacht wurden. Das optimalste w√§re ohne Frage, nach jedem Bild ein Dark zu machen und sofort herauszurechnen (bei einer DSLR ja problemlos machbar), eigentlich jedoch keine Alternative, da sich die Belichtungszeiten ja verdoppeln w√ľrden.

Was also tun? Die L√∂sung die ich mir √ľberlegt habe ist, ich mache einfach gar keine Darks mehr. Eher w√§re wohl das konsequente Dithern eine √úberlegung, da dort nach jeder Aufnahme das Objekt um einige Pixel versetzt wird. Inzwischen ist das Guiden so extrem genau, das kaum Versatz zwischen den einzelnen Aufnahmen ist und das d√ľrfte sich sp√§ter beim Stacken auch auf’s Rauchen negativ auswirken. Wohlgemerkt das mit den Darks gilt nat√ľrlich nur f√ľr eine DSLR, moderne CCD-Kameras haben ja die M√∂glichkeit die Chiptemperatur genau einzustellen und sind daher nicht f√ľr √§u√üere¬†Temperaturschwankungen anf√§llig. Ich glaube das eher eine gr√∂√üere Anzahl an Aufnahmen mehr bewirken kann.

Meine letzten Aufnahmen sind schon allesamt ohne erstellt worden und genauer wollte ich es jetzt noch mal bei einer Aufnahme des Coccon-Nebels wissen. 20 Aufnahmen je 8 Minuten waren das Ziel.

Zuerst das gestackte (Sigma-Clipping) Bild ohne jegliche Bearbeitung mit Ausnahme des Abziehens des hellen Himmelhintergrundes, ohne Darks, ohne Flats, ohne BIAS:

 

Cocoon Stacked roh

 

 

und ein Ausschnitt aus der Bildecke:

 

Bildecke roh Cocoon

 

und noch einmal 400fach vergrößert:

 

Cocoon Bildecke 400fach

 

 

Sieht doch gar nicht so schlecht aus und es ist mit Sicherheit nicht der „Weisheit letzter Schluss“ gar keine Darks zu machen. Ob es jetzt auch grunds√§tzlich bei allen Aufnahmen angewendet werden kann, wei√ü ich leider auch nicht. Das wird die Zukunft zeigen und ich werde noch ein wenig experimentieren. Es wird bestimmt bei hohen Au√üentemperaturen im Sommer etwas anders aussehen, aber interessant war es trotzdem f√ľr mich.

 

Hier das in Photoshop fertig bearbeitete Bild:

 

Cocoon Nebel